Im Jahre 1884 übernahm das Deutsche Reich den Schutz der Lüderitz'schen Besitzungen. Ein kleines Korps der kaiserlichen Marine landete in der Bucht und hisste die deutsche Flagge. Der Grundstein für die Kolonie 'Deutsch-Südwestafrika' war gelegt.
Adolf Lüderitz hatte an seinem Besitz wenig Freude. Die erhofften Bodenschätze - Kupfer, Gold, Silber - liessen sich nirgends finden. Bohrungen nach Wasser verliefen erfolglos. Das Trinkwasser musste darum per Schiff aus Kapstadt herbeigeschafft werden. Die finanziellen Mittel waren schliesslich erschöpft, und Lüderitz musste sein kleines Reich an die 'Deutsche Kolonialgesellschaft' verkaufen. Auf einer Expedition im Jahre 1886 ertrank Adolf Lüderitz im Oranje.
Der damals trostlose Ort Lüderitz wuchs zunächst sehr zögernd. Mehr als einige Holz- und Wellblechbauten gab es nicht. Als man jedoch im Jahre 1908 in der Nähe von Lüderitz Diamanten entdeckte, setzte plötzlich eine hektische Bautätigkeit ein. Die wundervollen Kolonialbauten der Stadt stammen aus dieser Zeit.
Lüderitz
Geschichte
Die Bucht von Lüderitz wurde bereits im Jahre 1488 von dem portugiesischen Seefahrer Bartholomëu Diaz entdeckt. Er nannte sie Angra Pequeña. Im Jahre 1883 erwarb der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz die Bucht von dem Nama-Häuptling Joseph Fredericks aus Bethanien. Der Kaufpreis betrug 10.000 Mark und 260 Gewehre. Im Preis eingeschlossen war das Gelände im Umkreis von 20 Meilen um die Bucht. Erst nach Abschluss dieses Vertrages wurde dem Nama-Häuptling deutlich gemacht, dass nicht die üblichen englischen Landmeilen (1 Meile = 1,8 km) gemeint waren sondern die preussische 'geographische Meile' (1 Meile = 7,5 km). Fredericks wurde durch diesen 'Meilenschwindel' um sein gesamtes Stammesgebiet gebracht.
Rechts: Das "Goerke Haus", prachtvolles Beispiel
der Kolonialbauten in Lüderitz. Links: Adolf Lüderitz (Cape Archives, KGH).